Rewes Vorstoß im Quick Commerce – und was er für Edeka & Co. bedeutet
Eigentlich galt die Sofortlieferung von Lebensmitteln vielen bereits als erledigt. Doch tatsächlich hat sich das Geschäft bloß verlagert – und Rewe hat das früher verstanden als der Rest der Branche. Wie reagiert die Konkurrenz von Edeka, Kaufland und dm?
Nach dem Aus vieler Lebensmittel-Schnelllieferdienste wie Gorillas, Getir & Co., die erst mit viel Kapital in den deutschen Markt gepusht und anschließend wieder eingestampft wurden, ist in zahlreichen Medien ein Abgesang auf den Quick Commerce gesungen worden.
Eines ist aber geblieben – auch nachdem zahlreiche Spezialanbieter ihre hastig angemieteten Darkstores wieder zugesperrt haben: die Gewohnheit vieler Kund:innen, schnell mit Lebensmitteln für den sofortigen Bedarf beliefert zu werden. So wie sie das auch von zubereiteten Restaurantessen kennen.
Insofern ist es kein Zufall, dass der Quick Commerce im Jahr 2026 primär von den großen Plattform-Betreibern – Lieferando, Wolt, Uber Eats – vorangetrieben wird. Alle wollen so dem Ziel näherkommen, zur Universal-Bestell-App für ihre Nutzer:innen zu werden.
Für Lebensmittel wurde das in Deutschland bislang vor allem über Partnerschaften mit kleinen Kiosken und selbstständigen Händlern umgesetzt. Auch Kooperationen mit Handelsunternehmen spielten dabei bereits eine Rolle, vor allem aber für die Warenbelieferung eigener Formate wie Wolt Market.
Sofortlieferung gewinnt an Relevanz
Eine städteübergreifende Präsenz eines großen Lebensmitteleinzelhändlers mit eigener Filialkommissionierung gab es auf den Plattformen bislang aber nicht – trotz zahlreicher Vorbilder aus dem Ausland.
Nun hat Rewe angekündigt, genau das ändern zu wollen und über alle drei in Deutschland aktiven großen Plattformen eine nationale Präsenz im Quick Commerce aufzubauen (zu Details: siehe Supermarktblog).
Das ist überfällig. Wobei: gänzlich untätig war man in Köln ja auch in den vergangenen Jahren schon nicht gewesen. Bloß mit eigenen Initiativen hat man sich zurückgehalten. Gleichwohl scheint bei Rewe im Zuge der Erfahrungen als Handelspartner im Sofortliefergeschäft die Erkenntnis gereift zu sein, dass die Sofortlieferung von Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs eine relevante Größenordnung erreicht hat (oder in Zukunft erreichen kann).
Auch die Prognosen der Marktforschung deuten in diese Richtung: 1,3 Milliarden Euro Umsatz im Quick Commerce bis 2030. Gemessen am gesamten deutschen LEH ist das sehr überschaubar – aber eben ein Segment, in dem bislang kein etablierter Händler nennenswert präsent ist.
Wie reagiert Edeka?
Gleichzeitig hat Rewe über den stetigen Aufbau des eigenen Abholservice in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, die stationären Läden so fit für die Integration digitaler Bestellmöglichkeiten zu machen, dass es jetzt leichter fällt, einen weiteren Kanal dazu zu schalten.
Vielleicht nicht innerhalb weniger Wochen, aber sicher im Laufe der kommenden Monate dürfte das dem Händler die Möglichkeit erschließen, das Geschäftsfeld über alle relevanten Plattformen hinweg in zahlreichen deutschen Städten anbieten zu können.
Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Vor allem, weil ihn keiner der Konkurrenten in dieser Form aufweisen kann. Genau das könnte Rewe auf absehbare Zeit einen deutlichen Vorsprung ermöglichen – vorausgesetzt, das Modell funktioniert so, wie man es sich in Köln erhofft.
Ein Problem ist das natürlich vor allem: für Edeka.
Nur Mitglieder lesen die ganze Analyse: Welche Konsequenzen die Rewe-Initiative für andere Händler (und Partner wie Flink) hat, warum das zu einer ungleichen Situation für selbstständige Edeka-Kaufleute führen wird und in welche Bredouille Kaufland und dm geraten.